Insolvenz oder geordnete Geschäftsaufgabe: Zwei Wege im Fahrradhandel

Shownotes

Eine wirtschaftliche Krise kündigt sich selten durch einen einzigen Auslöser an. Meist treffen mehrere Faktoren zusammen: sinkende Nachfrage, hohe Lagerbestände, steigende Kosten, gesundheitliche Belastungen oder Entscheidungen, deren Folgen erst später sichtbar werden.

In dieser Episode sprechen Uwe Wöll und Thorsten Larschow mit zwei Unternehmern, die unterschiedliche Wege aus einer schwierigen Situation gegangen sind.

Gäste dieser Episode

Peter Dreischmeier war über viele Jahre Geschäftsführer bei feine räder in Bielefeld. Er berichtet von der Insolvenz des Unternehmens, dem Ablauf des Verfahrens, der Zusammenarbeit mit dem Insolvenzverwalter und den persönlichen Folgen. Sein wichtigster Rat: die eigenen Zahlen laufend bearbeiten und Schwierigkeiten frühzeitig offen ansprechen.

Christoph Gier ist Geschäftsführer von VELO – Räder die bewegen in Aachen. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Pitt Wagner entschied er sich, den Verkauf zu schließen und die Werkstatt weiterzuführen. Im Gespräch erklärt er, wie die Entscheidung anhand verschiedener Szenarien vorbereitet und der Abverkauf geplant wurde.

Der ERFA-Summit in Marburg

Zum Auftakt blicken Uwe und Thorsten auf den ERFA-Summit zurück. Der Austausch zeigt, welchen Wert offene Unternehmenszahlen und ehrliches Feedback innerhalb einer ERFA-Gruppe haben können.

Eine Gruppe kann Probleme jedoch nur erkennen, wenn aktuelle Zahlen vorliegen und offen besprochen werden. Manchmal besteht die richtige Unterstützung deshalb nicht darin, ein bestehendes Geschäftsmodell um jeden Preis fortzuführen, sondern rechtzeitig eine grundlegende Veränderung anzustoßen.

Dein Trainingsplan

Hohe Lagerbestände und starke Preisnachlässe bleiben eine Herausforderung. Der Kurs „Vertrieb leben. Von der Strategie in die Umsetzung“ der Fahrrad Akademie beschäftigt sich mit professionellem Verkauf, Bedarfsanalyse, Vertrieb sowie Cross- und Upselling.

Das Angebot wird von Bikeleasing-Service unterstützt und richtet sich an Betriebe, die ihr Verkaufsteam stärken möchten, ohne ihre Ware über immer höhere Rabatte in den Markt drücken zu müssen.

Wenn aus Schwierigkeiten eine Insolvenz wird

Peter Dreischmeier beschreibt, wie verschiedene Faktoren bei feine räder zusammenkamen: seine längere krankheitsbedingte Abwesenheit, unzureichend bearbeitete Unternehmenszahlen und die Eröffnung eines zusätzlichen Geschäfts für Bekleidung und Helme.

Nach dem Insolvenzantrag änderten sich die Zuständigkeiten unmittelbar. Einkäufe, Zahlungen und Gespräche mit Lieferanten und Mitarbeitenden wurden durch den Insolvenzverwalter gesteuert. Peter schildert diesen Kontrollverlust ebenso offen wie die emotionale Belastung und die bis heute andauernden persönlichen finanziellen Folgen.

Seine zentrale Empfehlung lautet, sich kontinuierlich mit den eigenen Zahlen zu beschäftigen und Unterstützung zu suchen, bevor der Handlungsspielraum zu klein wird.

Geplante Geschäftsaufgabe statt Insolvenz

Christoph Gier und Pitt Wagner wählten bei VELO Aachen einen anderen Weg. Nach mehreren Jahrzehnten mit positiven Ergebnissen entstanden ab 2023 Verluste. Gleichzeitig stellte sich für Christoph die persönliche Frage, wie lange er den Verkauf noch weiterführen wollte.

Verschiedene Szenarien wurden durchgerechnet. Die Entscheidung fiel schließlich auf die vollständige Schließung des Verkaufsstandorts bei gleichzeitiger Fortführung der ausgelagerten Werkstatt.

Für den Abverkauf entstand ein genauer Zeit- und Kommunikationsplan: Wann wird die Belegschaft informiert? Wann folgen Agentur und Lieferanten? Wie lange läuft der Abverkauf und mit welchen Preisen? Der Verkauf übertraf die Erwartungen, private Darlehen konnten zurückgezahlt und ein Liquiditätspolster für die Werkstatt geschaffen werden.

Zahlen schaffen Handlungsspielraum

Beide Geschichten zeigen: Aktuelle Zahlen verhindern nicht automatisch eine Krise. Sie machen Entwicklungen aber früher sichtbar und ermöglichen bewusstere Entscheidungen.

Der VSF bietet Mitgliedsbetrieben an, ihre BWA vertraulich mit Caroline Bonn und Uwe Wöll zu besprechen. Wer einen zweiten Blick auf die eigenen Zahlen möchte, kann sich über podcast@vsf-mail.de melden.

Der „Heiße Scheiß“ dieser Episode

Uwe empfiehlt den Schwalbe Pro One Allroad in 35-622 für sportliche Fahrten im Winter. Er hebt das schnelle Abrollverhalten, den Komfort und den Grip bei kalten oder nassen Bedingungen hervor.

Diese Episode wird unterstützt von

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  • Moustache Bikes – innovative E-Bikes aus den Vogesen.
  • ORTLIEB – wasserdichte Fahrradtaschen und Rucksäcke.
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Vielen Dank an alle Sponsoren für die Unterstützung von #bikes4future – dem B2B-Podcast für Fahrradhandel und Fahrradbranche.

Über #bikes4future

#bikes4future liefert Marktdaten, Praxiswissen und strategische Impulse für Fahrradhändler:innen, Werkstätten, Hersteller und weitere Unternehmen der Fahrradwirtschaft.

Kontakt

Du hast eine Frage, eine Themenidee oder möchtest vertraulich über die wirtschaftliche Situation deines Betriebs sprechen? Schreib an podcast@vsf-mail.de.

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